Kati Bergelt
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Neue Flut und alte Opfer

"2004 bleibt in der Erinnerung als das Jahr des Tsunami in Asien. Ich kann mich sehr gut an die entsetzlichen Bilder erinnern, die uns die zerstörten Häuser und die unzähligen Leichen zeigten. Da zahlreiche Urlauber eigene Aufnahmen machten, konnten sehr viele Details im Fernsehen gezeigt werden. Dieser Strand mit den Trümmern, Resten von Hütten und weggespülten Häusern, umgestürzten Bäumen und - einfach unbegreiflich - die vielen Toten. Menschen waren das, die hier ihren Urlaub verbringen wollten und viele der freundlichen kleinen Thailänder. Man sieht die Bilder, die auf ein Hotel zuschlagende Riesenwelle, welche von den vereinzelt herum schwimmenden Menschen absolut unterschätzt wird. Unbegreiflich, unbeschreiblich.

Und dann sieht man die Bilder betrunkener Urlauber, Sextouristen, die sogar noch nach diesem unermesslichen Elend ihren Urlaub fortführen wollen, die nicht umsonst bezahlt haben wollen... Ist das immer noch nicht genug Strafe gewesen?

Bestätigte Opfer aus Indonesien waren rund 131.000 Menschen, aus Sri Lanka ca. 35.000 Menschen. "Die genaue Zahl der Toten lässt sich nicht feststellen. Aus Furcht vor Seuchen wurden viele Opfer ohne genaue Zählung rasch in Massengräbern beerdigt. Sowohl der direkten Einwirkung der Flutwelle, als auch ihren Folgeerscheinungen, fielen Menschen zum Opfer. So wurden fast alle Trinkwasserquellen der betroffenen Gebiete durch das Unglück verunreinigt."1

Ich kann verstehen, dass strenggläubige Menschen das als Strafe erkennen können. Selbst die christliche Geschichte zeigt uns schon solcherart Strafen für Zügellosigkeit oder Ehrlosigkeit. Lebten die Sextouristen wie in "Sodom und Gomorrha"? (Sodom und Gomorrha sind zwei in der Bibel genannte Städte, die der Sünde anheim gefallen waren. Gott will die Stadt Sodom prüfen und schickt zwei Fremde als Gäste in die Stadt. Abrahams Neffe Lot bietet seine jungfräulichen Töchter vergeblich als Ersatz für seine Gäste den wild sexuell verkehrenden Einwohnern der Stadt Sodom an. - Vielleicht war das ja die Vorlage für den Wunsch strenggläubiger Moslems, die ihre Tausenden von Jungfrauen im Paradies auf sich warten sehen, wenn sie ihr Leben beim Vernichten von Ungläubigen opfern?)2

Dafür spricht wohl auch das Datum der damaligen Katastrophe. Am 26. Dezember 2004, dem 2. Weihnachtsfeiertag, bricht das Seebeben im Indischen Ozean hervor. Direkter Auslöser des Bebens war möglicherweise ein Beben zwei Tage zuvor am anderen Ende der Indo-Australischen Platte. ...

Ist es ein Zeichen? Eine Strafe Gottes oder Allahs für die ruchlosen Ungläubigen? Man könnte es glauben. Man könnte es fast verstehen, dass dieses Verhalten eine solche Strafe auslösen kann. Brauchen wir neue Zügel? Wer braucht diese, harmlose benutzte Frauen, Ungläubige, Homosexuelle? Oder doch besser die die Welt beherschenden Banken, Spekulanten, zügellosen Unternehmen?

Die Wertung der Flutkatastrophe durch einzelne Religionsgelehrte gar als Strafe Gottes für menschliches Fehlverhalten wie Ungläubigkeit, Unzucht oder Homosexualität ist durchaus nachvollziehbar. Aber, diese Deutung birgt neue Gefahren, fanatische Prediger wollen nicht mehr unterscheiden zwischen harmlosen fröhlichen Menschen, nein sie wollen sie alle in ein und dasselbe Korsett zwingen, nur ihre eigenen Vorstellungen und Regeln noch gültig bleiben lassen. Sie maßen sich an selbst zu entscheiden, wie man Rechte verteilt, was Unrecht ist und wie dieses zu bestrafen sei...

Sicher, diese Deutung ist nicht durchweg die Meinung islamischer Religionsvertreter. Und sie wird denen absolut nicht gerecht, die tatsächlich einfach nur Urlaub mit ihren Familien machen wollten. Aber, ist dies nicht auch die Meinung von manchem Christen, die hier zum Vorschein kommt? Und, auch wenn ich eine sogenannte Ungläubige bin, fände ich ab und an eine kleine Strafe so mancher Sünde durchaus für angebracht. Nicht nur bei den Sextouristen, die sich um die erbärmliche Not kleiner und jugendlicher Mädchen und Jungen (oder aller sich verkaufenden Männer und Frauen ) nicht scheren und sie gar noch für irgendwelche abartigen Sexspiele missbrauchen wollen, nein, auch bei den zügellosen Bankgeschäftchen. Auch dieses Unmaß an Verantwortungslosigkeit könnte endlich einen strafenden Richter gebrauchen, da ja die menschlichen Richter scheinbar nur ohnmächtig zusehen können...

Jetzt brechen wieder neue Flutwellen hervor und vernichten das Leben und die Lebensgrundlagen vor allem der Ärmsten unter den Armen ...

Die vielen Hilfsorganisationen, die UNO, die Armee, die auch gerade für solch einen Dienst vermehrt eingesetzt werden sollte, die die Hilfe von Glaubensgemeinschaften und Kirchen bei weitem übertreffen, sind für mich die einzigen Zeichen eines immer noch vorhandenen Geistes an Hilfsbereitschaft. Und, es zeigt noch etwas Anderes. Man begreift, dass die größte Menschlichkeit immer noch in uns selbst wohnt, ganz unabhängig von Glauben oder Religionen. Denn der Glaube ist nichts ohne die Menschen, die ihm ein Gesicht geben wollen. Man muss dies nur erkennen zwischen all dem Schmutz und unnötigem Tand... Und vielleicht ist das ja das beste Geschenk eines über uns Wachenden, was wir alle bekommen haben."

1 aus "Seebeben im Indischen Ozean 2004", wikipedia.de

2 aus "Sodom und Gomorrha", wikipedia.de

=> Auszüge aus einem ESSAY "Neue Flut und alte Opfer", veröffentlicht im Band "Soziale Balance" , Erzählungen, Essays und Gedichte bei Dorante Edition, www.literaturpodium.de

Engelsdorfer Verlag, ISBN 978-3-86268-080-1)

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